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1. Newsletter von Ende Juni 2013


Info: (T) =Link zu ausführlichem Bericht / (F) = Link zu Fotos




Unsere Reise führte im Eiltempo durch Österreich, Ungarn und die Ukraine (T) gen Russland. Eiltempo deshalb, weil wir glatte drei Wochen später als ursprünglich geplant losfahren konnten. Schuld daran waren einerseits wir selbst (der Wegzug aus Pontresina dauerte länger als erwartet) andererseits die Übervorsichtigkeit des tugendhaften Schweizerbürgers (zu denen wir uns zählen), der partout nicht mit einem defekten vorderen Sperrdifferenzial losfahren wollte. Jaja, Basels wunderprächtige Hauptfiliale von Toyota (T) hielt uns gute zwei Wochen hin, streckte die Nasen ein wenig unter unser Auto, flötete allerhand Unsinn über nicht mehr reparierbare Teile und stellte schussendlich eine Rechnung von über Fr. 700.- aus, ohne auch nur die allergeringste Reparatur zustande gebracht zu haben. Wir entschieden, trotz unrepariertem Auto, am 2. April auf gut Glück loszufahren, die Schweiz konnte uns nicht mehr länger halten.

Wir überquerten alle Grenzen ohne die geringsten Probleme und erreichten das ehemalige Stalingrad an der mächtigen Volga (T)+(F). Von dort ging es nordwärts, unser Ziel war der Ural (T)+(F), wo wir unsere Wanderschuhe auspacken wollten, um das Grenzgebirge, welches Europa von Asien trennt, zu erkunden. Nun, wie das Wetter im April in der Schweiz war, wisst ihr selbst, unsere Wetterlage war genauso bemitleidenswert. Anstatt in die Wander- mussten wir in die Schneeschuhe schlüpfen, unser Campieren fand, anstatt unter sternenklarem Nachthimmel, im Auto statt, und unsere Bordheizung loderte stundenlang, um die Abende etwas angenehmer erscheinen zu lassen. Doch etwas Gutes hatte diese Wetterlage trotzdem, denn wir konnten den Eisfischern beim Angeln zusehen, wir besuchten Städte, um die wir bei gutem Wetter einen Bogen gemacht hätten, lernten die tollsten Cafés mit den leckersten Croissants und heisser Schokolade kennen, und wir konnten für unser ausstehendes Winter-Sibirienprojekt Erfahrungen sammeln.
Russland birgt vielerlei schöne Überraschungen; ausgestorbene Dörfer, Shopping Malls in den Millionenmetropolen, die ältesten Muttchen und wunderschönsten Frauen auf diesem Planeten, endlose Birkenwälder, qualmende Fabrikschlote, zugefrorene Flüsse und Seen, Menschen, die uns kesselweise Fische schenkten, Menschen, die uns in holprigem Englisch durch faszinierende Museen führten und was für uns sehr wichtig war, jeden Abend ein friedvolles, ungestörtes Platzchen, wo wir unser Lager aufschlagen konnten. (F)

Gar viel Bürokratie steckt noch immer im alten Sowjetstaat, und so waren wir, trotz eines in den Pass gestempelten Jahresvisums, gezwungen, das Riesenreich nach einem Monat zu verlassen, um einen Schlenker durch Kasachstan zu machen.

"Wer fährt schon nach Kasachstan?" hört man die meisten Reisenden stöhnen. Wir tun es, gerade aus dem Grunde, weil es über das neuntgrösste Land der Welt kaum Reiseinfos gibt und es meist nur als Transitland herhalten muss. Wir bereuen unsere dortigen drei Wochen keinesfalls. Einerseits war unser "Basislager" bei einem Freund in Almaty ein perfekter Ort, um unserer Wäsche zur Originalfarbe zurück zu verhelfen, andererseits unser Auto von den russischen Schlammschichten zu befreien und bei einer 4x4 Garage vorbeizusehen. Mein Gott, die Jungs in Almaty sind die Wucht! Eine Werkstatt machte unser Auto bereits sibirientauglich (schon mal darüber nachgedacht wie Diesel bei -50°C daherkommt? Überhaupt nicht!), die andere Garage kümmerte sich um unser kaputtes Sperrdifferenzial. Die Mechaniker krochen unter unser Gefährt, nach zwei Stunden lief das Diff wieder, zudem entdeckten sie eine Bruchstelle an der Vorderachse, wechselten gleich alle fünf Stossdämpfer und gaben dem Motor neues Öl. Gerne gaben wir den Jungs 200'000.- Tenge, die Fr. 1000.- waren beileibe besser investiert als bei Toyota Schweiz.

So gerüstet konnte es losgehen: Wir durchquerten die Moyynkum-Wüste (F), landeten in alten Goldgräberstädten, überquerten angeblich unüberquerbare Gebirgszüge und machten obenauf noch einen Schlauchbootstrip auf dem Ili (F), einem der grössten Flüsse Kasachstans. Auf der Suche nach Pelikanen durchfuhren wir blutrote Mohnfelder, die bis weit hinter den Horizont reichten, wir holperten über Pisten, die unter Stalin einen Hauch Asphalt verpasst bekamen und nun zu einer Kraterlandschaft biblischen Ausmasses mutiert sind, wir trotzen Staubstürmen, Hitzewellen von 37° und Regengüssen, welche die Pisten in glitschige Schlittschuhbahnen verwandelten. Kasachstan wird man nie ganz gesehen haben, das Land ist einfach viel zu gross (T).

Trotz dieses Dilemmas, beschlossen wir, einen Abstecher nach Kirgisistan zu machen, welches wir schon vor sieben Jahren bereisten. Wir erlebten damals das Land auf abenteuerliche und spannende Art und Weise (T)+(F), indem wir es mit dem Velo erkundeten. Wir waren nicht sicher, ob wir diese grandiose Zeit nur annähernd wiederholen konnten. Um die schönen Erinnerungen nicht zu übertünchen, wählten wir eine ganz andere Reiseroute.
Und, wie war es? fragt ihr euch sicherlich. Es war noch besser! (T) Unverhofft stiessen wir auf weggerissene Brücken, konnten beim Errichten einer Notfurt mit anpacken, wir fuhren auf Tracks, die auf keiner Landkarte der Welt eingetragen waren, überquerten Pässe, die keinen Namen tragen und durchkreuzten Landstriche, die sich von einer Minute zu nächsten vom üppig grünen Weidetal zur knochentrockenen Steppe wandelten (F). Glacéschleckend schwitzten wir auf Bazaren, krochen schlotternd bei Schneegestöber unter die Daunendecke und rätselten, warum unsere guten Schweizer Teigwaren bei 3000m ü.M. einfach nicht al dente werden wollten. Kirgisistan ist ein wahrlich kleines, feines Land, in welchem wir gerne mehr Zeit verbringen möchten.

Doch unser Plan ist und bleibt, möglichst viel von Russland kennen zu lernen, und so werden wir, womöglich gerade wenn ihr diesen Newsletter lest, auf dem Weg dorthin sein.


Drückt uns die Daumen, dass wir euch in etwa 2 Monaten erneut einige interessante Geschichten erzählen können, oder macht es uns einfach nach, verkauft Haus und Hof und seht euch die Welt an!

Herzlichst
Andreas, Kathrin und der Frosch (T)




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