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3. Newsletter vom 19. November 2013

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Aus der Mongolei, welche wir genau drei lange Monate bereisen durften, gibt es wahrlich viel Schönes und Spannendes zu erzählen. Momentan sitze ich in einer frisch verschneiten Winterlandschaft, auf dem Fluss vor mir treiben Eisschollen, welche die wärmende Sonne frei geeist hat. Kein Mensch ist auszumachen, keine Jurte in Sicht, sogar die unzähligen Raubvögel haben sich in Luft aufgelöst. Lediglich eine Herde Pferde grast unermüdlich am gegenüberliegenden Ufer. Grasen ist wohl etwas übertrieben, die zähen Tiere scharren unentwegt im Schnee auf der Suche nach etwas Fressbarem. Am Berghang vor mir haben die Lärchen die allerletzten Nadeln abgeworfen, eine vollkommene Stille umgibt uns, nicht einmal der Wind streichelt das Steppengras.


Die Zöllner an der Russisch-Mongolischen Grenze waren sich nicht ganz sicher, ob wir es ernst meinten, als wir Ende September das Land betraten und die Absicht äusserten, drei Monate hier zu bleiben. Ende September verlassen normalerweise die letzten Touristen fluchtartig die Mongolei, Jurtencamps machen dicht, Hotels werden verrammelt und das Land versinkt in einen zehnmonatigen Dornröschenschlaf. Genau vier Touristen, die sich in ihren Allradfahrzeugen auf dem Nachhauseweg befanden, kreuzten wir noch. Und dann gehörte die Mongolei uns alleine. Natürlich nicht wortwörtlich, denn drei Millionen Mongolen leben ja schliesslich auch noch hier. Aber was sind schon drei Millionen, wenn sich eine davon in der Hauptstadt vereint und den restlichen zwei ein Gebiet 38mal so gross wie die Schweiz überlassen wird? Die Mongolei ist ein riesiges Land, zwar nur noch ein Bruchteil so mächtig wie zu Dschingis Khans Zeiten, als es von den Philippinen, China, Indonesien, über Sibirien, Indien, dem Orient bis vor die Tore des heutigen Mitteleuropa reichte, aber immer noch so gewaltig, dass wir selbst nach 90 Tagen nicht behaupten können, einen Grossteil gesehen zu haben.

Reisen in einer anderen Dimension

Wir dürfen wahrlich behaupten schon einige Flecken Erde auf unserem Planeten gesehen und bereist zu haben. So wird man nicht mehr allzu schnell von etwas überrascht. Doch in der Mongolei wurden unsere Sinne, unsere Reiseerfahrung, unser Improvisationstalent und unsere Ausdauer auf eine ganz neue Art herausgefordert.
Wie gelange ich von Bayankhongor ins 250km entfernte Tsetserleg? Normalerweise genügt ein Blick auf die Landkarte oder das Navigationsgerät spuckt metergenau die Route aus. In der Mongolei kann man sich entweder für eine in Deutschland hergestellte Karte, die sich grossspurig "Reise-Know-How" nennt oder die dreissigjährigen Russischen Topokarten entscheiden. Erstere verdient das Prädikat Landkarte nicht, da sind Strassen eingezeichnet, welche es noch nie gegeben hat, Sehenswürdigkeiten sind 40km von der korrekten Position entfernt vermerkt und Ortsnamen sind derart schlecht in die Lateinische Schrift transkribiert, dass kein Mongole versteht, um welchen Ort es sich handeln könnte. Da haben die Russen schon bessere Arbeit geleistet und fein säuberlich Strassen und Pisten ins abgelegenste Dorf kartografisiert. Doch was nützt eine solche Karte, wenn nicht eine sondern ein Dutzend Pisten die mal hier lang mal da lang zum Ziel führen? Der Massstab von 1:500'000 ist auch nicht gerade für die Feinnavigation gedacht, da entspricht ein Zentimeter auf dem Kartenblatt gleich mal fünf Kilometern und wer versuchen sollte, einen Weg fünf Kilometer auf der falschen Seite eines Berges zu finden, wird sehr schnell erfahren, dass doch nicht alle Wege ans gewünschte Ziel führen. Mit Glück endet man irgendwo bei einer einsamen Jurte, doch es kann auch sein, dass sich die Piste in der Unendlichkeit von Sanddünen verliert oder in einem Sumpf mündet, den man nur im Winter, wenn er steinhart gefroren ist, durchfahren kann.
und warum müssen wir denn unbedingt auf Pisten fahren? Ganz einfach, zwischen Bayankhongor und Tsetserleg gibt es gar nicht anderes! Und so ist es auch zwischen 98% aller anderen Orte in diesem Land. Wer das Land von West nach Ost auf der Hauptachse durchqueren will, wird dies fast nur mit einem Geländewagen schaffen. Da sind Abschnitte, die sich nach einem sommerlichen Regenschauer in eine Schlammwüste verwandeln, in der sich jeder Wagen bis zur Achse eingraben wird, dann folgen Strecken, wo man keinen Schimmer hat, welche der 25 vor einem liegenden Pisten wohl die richtige ist, oder man befindet sich unverhofft auf einem Feldweg, den sich unsere Bauern weigern würden mit ihren Treckern zu befahren. Und das widerspiegelt die Hauptstrasse, von den Nebenstrassen ganz zu schweigen!


In der Mongolei ist man stets auf der Suche nach der korrekten Richtung und der besten Piste: Wenn das Terrain etwas schwieriger wird (steil hoch, sumpfig, ausgewaschen) dann muss man sich für die beste Spur entscheiden, denn jeden Sommer, wenn alles aufgeweicht wird, kommt eine neue hinzu. So gibt es Passagen, an denen dreissig oder mehr Fahrspuren parallel zueinander laufen.
Auf unserer Fahrt nach Tsetserleg durchqueren wir fünfmal einen Fluss, müssen kurz vor einer Passhöhe fast aufgeben, da die Piste von einem Bach ausgespült wurde und zuletzt kurven wir auf einer Piste, die auf absolut keiner Landkarte existiert, mehr schlecht als recht dem Ziel entgegen.
Ach ja, es gibt übrigens nicht nur ein Tsetserleg, von denen finden sich auf unseren Karten gleich mehrere, genau so wie es ein Dutzend Bogd, Erdene oder Khovd gibt. Da bleibt die Hoffnung, man erwische den richtigen Ort...

Von allem ein wenig

Wenn wir nicht gerade über die Pisten schaukeln absolvieren wir unter anderem auch das mehr oder minder obligate sightseeing Programm. Wir schauen uns die Sehenswürdigkeiten des Landes an; wir bestaunen einige (wenige) Klöster, Dschingis Khan Statuen, Felsmalereien, heilige Orte, Grabstätten, das eine oder andere Museum, Stupas aber vor allem die vielen landschaftlichen Höhepunkte. Letztere ziehen uns mehr in den Bann als die von Menschen geschaffenen Anlaufpunkte. Die Klöster, allesamt unter den Sowjets in den 30-er Jahren zerstört, haben nur noch wenig von der Grösse und dem Glanz vergangener Zeiten, auch wenn sie seit 1991 (der Unabhängigkeit der Mongolei) eines ums andere wieder in sehr bescheidenem Masse restauriert beziehungsweise aufgebaut werden. Wer das rege Leben in einem burmesischen oder tibetischen Kloster erlebt hat, wird hier zum Gähnen verleitet.
Auch die Museen, von welchem jeder Aimag- (Kantons-) Hauptort eines aufzuweisen hat, trumpfen auf mit Jahrzehnte alten Staubschichten und sich ewig wiederholenden Sammlungen von Jurtenutensilien, Volkstrachten und den traurigen Präparaten der lokalen Tierwelt. Felsmalereien werden angepriesen wie das Jungfraujoch, sind aber meist nicht mehr als einige kaum auffindbare Kritzeleien von undefinierbaren Wesen, übertüncht von Neuzeit-scrafittis und den Abfallresten der wenigen Besucher, die hier ein Picnic veranstalteten. Die Steinhügelgräber, von denen es viele gibt, sind für uns auch irgendwann nur noch Steinhaufen, wenn man die ersten Hundert oder so bestaunt hat. eben, die Landschaften sind es, die uns Tag für Tag in Bann ziehen. Ihretwegen sind wir auch hierher gereist. Im zentralen Khangai-Gebirge werden wir immer wieder ans Engadin erinnert. Lärchen, welche in herbstlichem Gold in Kontrast zum Dunkelblau des Himmels stehen, weiter im Westen sind es die Seen, kaum merklich aus der Weite der Steppe zum Vorschein kommend oder eingebettet zwischen grünen Hügeln, welche an die Juwelen der High Sierra erinnern.

Der Altai im Dreiländereck zu China und Russland nimmt die Formen und Wildheit des höchsten Himalajas an; schneebedeckte Viertausender, tief eingeschnittene Täler mit reissenden Flüssen, Siedlungen, die sich in den Windschatten gratiger Felsen kauern. Im Süden der Mongolei wird der grasige Steppengürtel sehr bald von der Weite und Monotonie der Gobiwüste abgelöst. Aber auch dort treffen wir auf Felsenlandschaften, glutrot in der Abendsonne, kaltblau im Schleier des nahenden Sandsturmes. Wir entdecken Schluchten durch die sich Pisten ziehen, so schmal, dass wir nur knapp mit unserem Auto durchpassen und Weiten, die aus einem Meer von weizenfarbenen Sanddünen bestehen. Im kaum besuchten Osten folgen wir langen Flussläufen bis zu den Stätten altturkischer Völker, dann furten wir Flüsse, so klar, dass man die Forellen beinahe auf Meilen ausmachen kann, wenig später erleben wir während den warmen Herbsttagen einen zweiten, zaghaften Frühling, in dem einige Wildblumen erneut zum Blühen kommen, genau dort, wo die Wiesen noch getränkt vom Quellwasser sind und unser Auto in einem Sumpf hoffnungslos stecken bleibt.

Nichts geht mehr

Bereits zum zweiten mal stecken wir fest, so fest, dass wir keinen Millimeter vor oder zurückkommen. Wir schleppen Sandbleche, Schlammtracks und eine 40kg schwere Seilwinde mit uns rum, wissen (wenigstens in der Theorie) wie man ein Auto bergen kann, doch alles hat seine Grenzen. Im Khangai-Gebirge war es ein kleiner zugefrorener Wasserlauf der unter dem Gewicht der schweren Hinterachse nachliess. Wir sassen mit der hinteren Stossstange auf, die Räder drehten im Nichts. Da hilft kein Sandblech, höchstens eine Seilwinde. Doch wo festmachen? Als erstes erspähen wir einen Kleinlaster, der bei einer nahen Jurte steht, doch der Fahrer lässt sich nicht auftreiben. So versuchen wir es mit einem nahen Felsen. Doch der, anstatt unseres Autos, wird von der Winde in der Landschaft herumgeschleift. Was bleibt? Ein recht solide dreinschauender Viehzaun scheint die Rettung zu sein. Unser 35m Windenseil und 65m Bergegurte reichen aber nicht aus die Pfähle zu erreichen. Nach ewigem Hin und Her können wir dem nicht gerade IQ-strotzenden Hirten, der uns auf Schritt und Tritt verfolgt, klarmachen, dass wir noch vier Meter Drahtseil oder so benötigen. Nach einer halben Stunde haben wir den Zaun erfolgreich aus der Verankerung gezogen, unser Auto steckt noch immer am gleichen Ort wie zwei Stunden zuvor. Erst unter erfolgreicher Verwendung eines neu hinzugekommenen Kleinlasters, der nun endlich als Anker für unsere Winde dienen kann, ist unser Wagen dann in kürzester Zeit befreit.unsere nette herbsttägliche Wildblumenwiese ist ein ganz anderer Fall: Vorausschauend sind wir über die grasige Piste unterwegs. "Immer rechts halten!" hat uns noch kurz zuvor ein Mongolischer UAZ-Fahrer geraten. Zu spät merke ich, wie die rechte Seite des Fahrzeugs plötzlich absäuft. Ich reisse noch den Rückwärtsgang rein, versuche die Kiste auf gleichem Weg wie ich gekommen bin herauszubugsieren. Doch wir stecken in einem Moor fest, die rechte Seite hat sich komplett eingegraben.
Doch wir sind voller Zuversicht, denn eine Stunde zuvor kreuzten wir einen Spanier (den allerletzten westlichen Touristen für die kommenden 40 Tage), der uns auf dieser kniffligen Piste begleiten wollte.
"Der zieht uns halt wieder rückwärts raus", denken wir.
Bis die Bergungsseile festgemacht sind, sehe ich aus wie eine Sau um Suhlloch. Doch der grossstadttaugliche Range Rover schmiert lediglich mit durchdrehenden Rädern auf der Wiese herum, unser schwerer Toyota bewegt sich keinen Millimeter. Wir rammen die Sandbleche in den Morast und wollen den Range Rover nun als Anker für die Winde verwenden. Doch wir können nur schräg ziehen (unser Anker soll ja auf festem Grund bleiben) aber erneut ziehen wir des Spaniers Auto nur quer über die Wiese. Als wir den Anker befreien, geschieht genau das, was nicht geschehen darf; der Range Rover gräbt sich ebenfalls ein...

Wenigstens rutscht er so eingegraben nicht mehr über die Wiese und erneut muss er als Anker hinhalten. Doch als die Winde so richtig Zug entwickelt, befürchten wir, dass wir das ganze Chassis des Wagens, wo unser Seil festgemacht ist, verziehen werden. Ratlos beschauen wir den Fall, das Thermometer zeigt bereits -2°C an und es dunkelt ein. Wir beschliessen für heute aufzugeben und den morgigen Tag abzuwarten. Mit 20° Schieflage unseres Autos wird es eine brutal ungemütliche Nacht, aber wenigstens können wir unsere Standheizung anlassen und müssen nicht so bibbern wie unser Kollege, der die Nacht auf dem Fahrersitz seines Range Rovers, bei frühmorgendlichen -8°C verbringen muss. Was nun hier in zwei Sätzen geschrieben steht, wird die kommenden acht Stunden in Anspruch nehmen:
Wir können einen Laster organisieren, doch zuvor entladen wir unser ganzes Auto, schrauben die schweren Reserveräder und alles was sonst noch abnehmbar ist weg, um das Fahrzeug so leicht wie möglich zu machen. Unser Rettungs-Laster stellt sich dann als Kleintraktor heraus und so müssen wir zuerst das ganze Auto aus dem Moor heraushebeln, die Räder mit Baumstämmen unterlegen, bis dann der 4. oder 5. Bergungsversuch gelingt und wir auf festem Grund stehen.

Mythos und Wirklichkeit

Von unserer Zentralasienreise anno 2003 lernten wir, dass es hier im fernen Osten ohne Russischkenntnisse einfach keine gescheite Konversation geben wird. So machte ich vor unserer jetzigen Abreise einige mehr oder weniger erfolgreiche Anläufe um der Sprache Herr zu werden. Wir hofften, dass wir in der Mongolei, welche ja Jahrzehnte unter Sowjetischer Obhut stand, mit Russisch durchkommen werden. Unsere Reiseführer strotzen mit Ausdrücken wie "Entwicklung, Aufbau und Wandel", welche das Land und deren Bewohner momentan erleben würden. Die junge Generation lerne Englisch, die ältere beherrsche Deutsch und eben Russisch. Ich lüge nicht, aber unter all unseren Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung, trafen wir in drei Monaten auf genau drei Damen die Deutsch, zwei Mönche die gebrochen Russisch, einen Touristenchauffeur und einen Mechaniker (der ursprünglich aus Japan kommt) die Englisch verstanden.

Wir hatten so unsere Mühe mit den Reisebüchern, welche das Land allesamt in einem verblendeten Lichte darstellen. Da wird von Kulturgütern mit Weltformat gesprochen, die Gastfreundschaft der Bevölkerung in den Zenit gehoben, von unberührter und ursprünglicher Natur lamentiert und von Menschen, die Ihre Umwelt liebten, ja vergötterten gesprochen und vom ewig blauen Himmel gefaselt.
Schaut man sich die Reisebücher genau an, merkt man sehr rasch, dass das eine das andere kopiert, sich Fehler von Buch zu Buch weitervererben und dass immer die gleichen Highlights beschrieben werden. Nach drei Monaten im Land haben wir tausendmal mehr gesehen als in allen Büchern aufgelistet ist, wir erfuhren, dass die Gastfreundschaft in Kirgisistan, Russland, Kasachstan und hundert anderen Ländern auf diesem Planeten genauso grosszügig und überwältigend sein kann und dass Sehenswürdigkeiten mit dem Eroberer und Schlächter Dschingis Khan nicht automatisch Weltformat haben. Die Liebe der Mongolen zu ihrem unberührt reinen Land zeigte sich uns in Form von Abfallbergen an den entlegensten kaum erreichbaren Orten, in stinkenden Müllhalden deren Dreck vom Winde in alle Himmelsrichtung zerfleddert wurde, von einer zerstörerischen Fahrweise, bei der sich gedankenlos jedes Auto über die jungfräulichste Blumenwiese eine Fahrspur wühlt und in einer Hauptstadt, die im Verkehrschaos kollabiert und in der man zur Winterzeit auf Grund zehntausender stinkend qualmender Kohleöfen jeder einzelnen Behausung ständig hustet und nach einem Tag stinkt, als ob man höchstpersönlich stundenlang ein Dungfeuer geschürt hätte.

Wer glaubt, die Nomaden zögen mit Holzwagen oder Kamelkarawanen durchs Land, oder sich der Hirte behände auf dem stolzen Rosse seiner Tiere annehme, sitzt im falschen Film. Die Jurten, vor denen kein Geländewagen oder Kleintransporter steht, kann man an einer Hand abzählen und den Hirten, auf der Suche nach seinen Schafen, Kühen und Kamelen, trifft man dämlich hupend auf seinem Motorrad, welches ihn an jeden Ort der Mutter Natur schaukelt. Wer Schamanen beim Ausüben geheimnisvoller Rituale in einer Jurte erwartet, sollte sich lieber auf Farbfernseher und Satellitenempfang vorbereiten.

Die Mongolei ist nicht mehr im vorletzten Jahrhundert stehen geblieben, da müssen wir den Reisehandbüchern mal Recht geben, auch wenn sich das der verklärte Tourist gerne wünscht und dabei die Realität ausblendet.

Aber die Liebe glüht

Doch trotz alledem sind wir grosse Fans der Mongolei geworden. Wie liebten wir es uns jeden Abend ein schönes Camp zu suchen, in einem Land in dem es sozusagen keinen Grundbesitz gibt und das weite Land von jedem genutzt werden darf. Wir staunten über die Härte und Ausdauer der Nomaden, welche die unwirtlichsten, auf uns feindselig wirkenden Orte bewohnen. Wie mussten wir über den ohrenbetäubend laut schlürfenden Nomaden schmunzeln, der in stockfinsterer Nacht aus dem Nichts mit seinem defekten Motorrad auftauchte und an unser Auto klopfte, halb erfroren, auf der Durchreise und froh um unseren heissen Tee. Seine Maschine war nicht mehr zum Laufen zu bringen, und so offerierten wir ihm - nach lokaler Sitte - eine etwas unbequeme Übernachtungsmöglichkeit in unserem Auto, denn draussen tobte ein Sturm und das Thermometer viel auf -8°C.

Ja und unser Auto, endlich konnte es zeigen was in ihm steckt; Furten, Wellblechpisten, Sanddünen, Schlamm und Schnee, zugefrorene Bäche, die unter Furcht erregendem Knallen eisbrecherartig aufgeschlitzt und durchfahren wurden. Dann war es unser Heim. In Nächten, wo uns die nassen Finger blitzartig am eisigen Metall der Karosserie festklebten, war es ein Ort der Wärme, in Nächten, in denen der Sturmwind unser Hochdach in Fetzen zu reisen gedachte, bot es Schutz vor der Unbill der Elemente, und an Tagen, wo wir im Schatten des Toyotas sassen, ein Ort der Kühle und Schutz vor der Sonne. Die Mongolei ohne Allrad zu bereisen ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit wenn man sich abseits der Hauptlinien bewegen will. Auch wenn unser Auto unsere Nerven auf Grund einer gebrochenen Achse inmitten der Altaiberge auf die Probe stellte, können wir ihm nur ein Kränzchen winden.

Die Mongolei muss man sich verdienen, man muss sie mit wachen Sinnen erreisen, ja vielleicht sogar entdecken, denn es vergeht kein Tag, an dem sich Aufwand und manchmal Mühsal des Erkundens nicht lohnen würde.



Andreas, Kathrin & der Frosch




In diesen Minuten ist auch unsere Website mit vielen Fotos aufgeschalten worden:
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